„Bin ich eigentlich verrückt?“ Diese Frage beschäftigte die Klasse 9 a, als sie das Theaterstück „Die Physiker“ im Staatstheater besuchte. Die Textvorlage dieser grotesken und doch die Welt veranschaulichenden Komödie stammt von Friedrich Dürrenmatt und wurde am 22. Juni 2019 unter der Regie von Cilli Drexel erstmals auf die Stuttgarter Bühne gebracht. Die Geschichte, die sich um den Kernphysiker Möbius (gespielt von Marco Massafra) dreht, welcher nach der Entdeckung einer furchtbar gefährlichen Formel ins Irrenhaus flüchtet, um sein Geheimnis vor den Machtgierigen der Welt zu verstecken, wird originalgetreu umgesetzt. Die inhaltsschwere, ursprüngliche Aussage des Dramas wird gewahrt, auch wenn man als Leser hier und da einige erfrischende lustige Szenen entdeckt. Aber das Stück macht auch Ernst und als sich die drei irren Physiker Möbius, Newton (gespielt von Benjamin Pauquet) und Einstein (gespielt von Klaus Rodewald) in Wirklichkeit als ein Genie und zwei Geheimagenten auf dessen Spur entpuppen, bleibt kein Besucher unbeeindruckt. Die Inszenierung betont besonders die Veranlagung für das Verrückte in jedem einzelnen von uns und lässt viel Raum für die eigene Interpretation. Die Leistung der Schauspieler ist beeindruckend, da sie mit scheinbarer Leichtigkeit in die Rollen der sich verstellenden Charaktere schlüpfen und durch die ein oder andere ausfallende Geste zum Lachen einladen. Auch das Bühnenbild sorgt für Begeisterung, lässt es doch die Einheit von Raum und Zeit durch minimale Requisiten unwichtig erscheinen, sodass der Zuschauer sich komplett auf diese Reise – doch nicht so zufälliger – Zufälle einlassen kann. Wer nach einer farbenfrohen Abendunterhaltung sucht, wird von dieser Inszenierung der „Physiker“ vermutlich nicht so viel halten, da die Kulissen und Kostüme in einem beinahe klinischen Weiß gehalten sind und die Stimmung eher durch ein einzigartiges Lichtspiel als durch aufwendige Bühnenbilder erzeugt wird. Doch wer auf ein die Gedanken anregendes Stück hofft, welches die Türen seines Irrenhauses aufsprengt, wird hier fündig werden, ganz im Sinne des Stücks: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“

Maria Hauser (9 a)

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